{"id":1335,"date":"2016-10-01T02:59:18","date_gmt":"2016-09-30T23:59:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.akturk.com\/de\/?p=1335"},"modified":"2016-10-18T07:15:20","modified_gmt":"2016-10-18T04:15:20","slug":"bayer-kauft-den-us-saatguthersteller-monsanto-fuer-knapp-66-milliarden-dollar-587-mrd-euro","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.akturk.com\/de\/2016\/10\/01\/bayer-kauft-den-us-saatguthersteller-monsanto-fuer-knapp-66-milliarden-dollar-587-mrd-euro\/","title":{"rendered":"Bayer kauft den US-Saatguthersteller Monsanto f\u00fcr knapp 66 Milliarden Dollar (58,7 Mrd. Euro)"},"content":{"rendered":"<p>Es ist ein Rekordkauf. Noch nie hat ein deutscher Konzern so viel f\u00fcr eine \u00dcbernahme gezahlt.<br \/>\nDer Monsanto-Deal macht Bayer zur weltweiten Nummer eins im Gesch\u00e4ft mit Agrarchemie.<\/p>\n<p>Offiziell z\u00e4hlt Pokern nicht zu den Hobbys des Bayer-Vorstandschefs Werner Baumann. Doch sp\u00e4testens jetzt steht fest, dass der 53-J\u00e4hrige einen ganz ausgezeichneten Pokerspieler abgibt. Nach gerade einmal 137 Tagen im Amt, die beinahe ausschlie\u00dflich den z\u00e4hen Verhandlungen mit dem Management des US-Konzerns Monsanto gewidmet waren, ist Baumann nun am Ziel.<\/p>\n<p>Die gr\u00f6\u00dfte \u00dcbernahme in der deutschen Firmengeschichte ist perfekt: Bayer und der umstrittene US-Saatgutriese Monsanto haben sich nach der dritten Aufstockung des Gebots der Leverkusener geeinigt.<\/p>\n<p>Wie die Konzerne am Mittwoch mitteilten, bietet der Dax-Konzern 128 Dollar pro Anteilschein in bar. Damit werde das US-Unternehmen mit 66 Milliarden Dollar bewertet. Bayer hatte in dem seit Mai laufenden \u00dcbernahmepoker sein Gebot dreimal erh\u00f6ht. Die Kartellbeh\u00f6rden m\u00fcssen noch zustimmen. Mit dem Zusammenschluss stiege der deutsche Pharmakonzern zur weltweiten Nummer eins im Agrarchemiegesch\u00e4ft auf. Das gemeinsame Unternehmen d\u00fcrfte einen B\u00f6rsenwert von rund 120 Milliarden Dollar auf die Waage bringen.<\/p>\n<p>Bayer habe sich zudem mit den Amerikanern auf eine Zahlung von zwei Milliarden Dollar verst\u00e4ndigt, sollten die Kartellbeh\u00f6rden dem Deal nicht zustimmen.<\/p>\n<p>\u201eDas ist ein wahrhaft historischer Tag f\u00fcr Bayer und Monsanto\u201c, sagte Baumann, kurz nachdem die Aufsichtsr\u00e4te beider Konzerne den Deal abgenickt hatten.<\/p>\n<p>66 Milliarden Dollar, umgerechnet sind das rund 59 Milliarden Euro \u2013 das ist gleich ein mehrfacher Rekord. Bayer feiert damit nicht nur weltweit die teuerste Unternehmenshochzeit des Jahres, sondern gibt auch die h\u00f6chste Barofferte in der Geschichte ab.<\/p>\n<p>Zugleich ist der Deal die gr\u00f6\u00dfte \u00dcbernahme, die je ein deutscher Konzern im Ausland gestemmt hat, gr\u00f6\u00dfer noch als die rund 43 Milliarden Dollar teure \u201eHochzeit im Himmel\u201c zwischen den Autokonzernen Daimler und Chrysler im Jahr 1998. Und es ist eine Transaktion, die den \u00fcber 150 Jahre alten Leverkusener Traditionskonzern Bayer nachhaltig ver\u00e4ndern wird.<br \/>\nPl\u00f6tzlich war der aggressive J\u00e4ger der Gejagte<\/p>\n<p>Noch im April, vor seinem Amtsantritt, hatte Baumann bei seinem ersten offiziellen Treffen mit Journalisten treuherzig verk\u00fcndet, ihm schwebe f\u00fcr Bayer eine \u201eEvolution, keine Revolution\u201c vor. Zu diesem Zeitpunkt arbeiteten die Konzernstrategen schon l\u00e4ngst an einem \u00dcbernahmeangebot, das der \u00fcberraschte Monsanto-Chef Hugh Grant \u2013 der bis dahin eher als aggressiver J\u00e4ger denn als Gejagter in der Branche aufgetreten war \u2013 am 10. Mai auf den Tisch bekam.<\/p>\n<p>Auch in den darauf folgenden Verhandlungsrunden entpuppte sich Baumann als nervenstarker Spieler. St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck erh\u00f6hte der Bayer-Chef den Preis pro Aktie und damit auch den Druck auf die wenig begeisterten Monsanto-Manager, dem f\u00fcr die Eigent\u00fcmer attraktiven Deal doch noch zuzustimmen.<\/p>\n<p>\u201eB\u00e4renumarmung\u201c nennen \u00dcbernahme-Experten wie der britische Warwick-Professor John Colley diese Strategie. Weniger elegant formuliert bedeutet das: Baumann hat seinen ungleich bulligeren Gegenspieler Grant mit immer neuen Offerten in den Schwitzkasten genommen \u2013 und nun fast gewonnen.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Aktion\u00e4re des US-Konzerns sei der Schritt die \u201ebestm\u00f6gliche Wertschaffung\u201c, kommentierte Monsanto-Chef Grant die verbindliche Fusionsvereinbarung. Das Angebot bedeutet einen Aufschlag von 44 Prozent auf den Kurs, den die Monsanto-Aktie vor dem ersten schriftlichen Angebot von Bayer hatte. F\u00fcr die Finanzierung hatte Bayer sich einen Br\u00fcckenkredit in H\u00f6he von 57 Milliarden Euro bei mehreren Investmentbanken gesichert. Zudem soll auch Eigenkapital in Form einer Kapitalerh\u00f6hung sowie mehrerer Pflichtwandelanleihen flie\u00dfen.<br \/>\nF\u00fcr Kritiker ist Monsanto \u201eTeufel in Firmengestalt\u201c<\/p>\n<p>Mit Monsanto schnappt sich Bayer allerdings nicht irgendeine Braut \u2013 sondern einen der am meisten verhassten Konzerne weltweit. Der US-Konzern mit Sitz in St. Louis im Mittleren Westen der USA steht nicht nur wegen seiner aggressiven Gesch\u00e4ftspraktiken und seiner gentechnisch ver\u00e4nderten Produkte in der Kritik.<\/p>\n<p>Die Firma ist auch der Entwickler des umstrittenen Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat, das im Verdacht steht, krebserregend beim Menschen zu wirken. F\u00fcr seine Kritiker ist Monsanto damit eine Art \u201eTeufel in Firmengestalt\u201c und das Symbol einer Landwirtschaft, die ohne R\u00fccksicht auf Natur und Mensch die reine Profitmaximierung zum Ziel hat.<\/p>\n<p>Entsprechend heftig fiel die Kritik von Umweltverb\u00e4nden an der geplanten Transaktion aus. Das sei eine \u201eschlechten Nachricht f\u00fcr nachhaltige Landwirte, Verbraucher und die Umwelt\u201c und werde zu einer bislang ungekannten Marktmacht f\u00fcr das Unternehmen f\u00fchren, hie\u00df es bei Greenpeace.<\/p>\n<p>Dass Baumann und seine Konzernkollegen in den vergangenen Wochen dennoch verbissen um den Deal gek\u00e4mpft haben, hat viel mit betriebswirtschaftlicher Logik zu tun. Der Markt f\u00fcr Pflanzenschutz und Saatgut gilt angesichts der schnell wachsenden Weltbev\u00f6lkerung als lukrativer Zukunftsmarkt, auf dem die Hersteller mitverdienen wollen.<br \/>\nBayer wurde anf\u00e4llig<\/p>\n<p>Doch die Entwicklung und Zulassung neuer Agrarprodukte dauert lange und kostet viel Geld. In diesem Gesch\u00e4ft ist Gr\u00f6\u00dfe ein Vorteil. Gleichzeitig ist die Branche in den vergangenen Monaten nach mehreren milliardenschweren Fusionen und Zuk\u00e4ufen in Bewegung geraten. Von den urspr\u00fcnglich sechs gro\u00dfen Akteuren k\u00f6nnten am Ende nur noch drei oder vier \u00fcbrig bleiben.<\/p>\n<p>Wer sich in diesem Konzern-Monopoly nicht mit einem geeigneten Partner zusammentut, hat es schwer, nicht in die zweite Liga abzurutschen. Zumal Bayer sich im vergangenen Jahr mit der Ausgliederung seiner Kunststofftochter Covestro verkleinert hat \u2013 und damit auch anf\u00e4lliger geworden ist f\u00fcr eine \u00dcbernahme durch andere.<\/p>\n<p>Sollte der Kauf von Monsanto so \u00fcber die B\u00fchne gehen, wie Baumann sich das w\u00fcnscht, werden sich die Gewichte innerhalb des Bayer-Konzerns, der sich bereits 2015 radikal umgebaut hatte, erneut deutlich verschieben: Das traditionsreiche Pharmagesch\u00e4ft, das Bayer mit Marken wie Aspirin ber\u00fchmt gemacht hat und derzeit etwa 45 Prozent zum Konzernumsatz beitr\u00e4gt, wird sp\u00fcrbar an Gewicht verlieren. Stattdessen wird k\u00fcnftig das mit Monsanto kombinierte Saatgut- und Pflanzenschutz-Gesch\u00e4ft fast 50 Prozent zum Konzernumsatz beitragen.<br \/>\nPokerspieler Baumann vor n\u00e4chster Herausforderung<\/p>\n<p>Nicht alle Investoren sind von dieser Strategie \u00fcberzeugt. Immer wieder hagelte es in den vergangenen Wochen Kritik. Diese richtet sich vor allem gegen den Kaufpreis, der vielen als zu ambitioniert gilt und eine Pr\u00e4mie von rund 40 Prozent auf den urspr\u00fcnglichen Preis der Monsanto-Aktie vor Bekanntwerden der Offerte beinhaltet. Zudem gibt es auch unter den Bayer-Aktion\u00e4ren Kritiker, die den Strategieschwenk weg vom lukrativen, aber hochriskanten Pharmagesch\u00e4ft hin zur Agrochemie nicht sonderlich guthei\u00dfen.<br \/>\nAnzeige<\/p>\n<p>Kurz nach Bekanntwerden der ersten Offerte f\u00fcr Monsanto im Mai brach der Kurs der Bayer-Aktie daher sogar deutlich ein. Mittlerweile hat sich das Papier von diesen Verlusten zwar wieder erholt. Eine wirkliche Jubelstimmung aber ist an der B\u00f6rse mit Blick auf die Rekord\u00fcbernahme bisher nicht auszumachen.<\/p>\n<p>Das k\u00f6nnte auch daran liegen, dass der geplante Milliarden-Deal noch die Kartellbeh\u00f6rden passieren muss. Vor knapp einem Monat hatte die EU-Kommission bereits Bedenken angemeldet und kritisiert, dass die geplante Fusion negative Folgen f\u00fcr Qualit\u00e4t, Auswahl, Preise und Innovationen in der Branche haben k\u00f6nnte. Zudem ist unklar, wie der Verkauf des US-Konzerns mitten in der hei\u00dfen Phase des US-Pr\u00e4sidentschafts-Wahlkampfs ankommt. Aus dem Pokern wird Bayer-Chef Baumann daher so schnell nicht herauskommen.<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist ein Rekordkauf. Noch nie hat ein deutscher Konzern so viel f\u00fcr eine \u00dcbernahme gezahlt. 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